Das Leben für die Kunst
Das Leben für die Kunst Das allgemeine Rauchverbot trifft das Theater an seiner kreativsten Stelle: in der KantineAB 1. JANUAR wird im deutschen Theater nichts mehr sein, wie es war. Die einschneidendste Maßnahme seit der Erfindung des Regietheaters bedroht viele Bühnen in ihrer Substanz: ein allgemeines Gaststätten- Rauchverbot wird die eigentlichen Denk- und Kommunikationszentralen der Häuser lähmen. Was soll der Künstler noch in der Kantine, wenn er dort keine Zigarette anfassen darf? Natürlich – Rauchen gefährdet die Gesundheit, steigert das Krebsrisiko, verengt die Herzkranzgefäße, lässt die Haut schneller altern und wirft Falten ins Gesicht. All das ist schon seit längerem bekannt. Trotzdem haben Generationen von Schauspielern, Dramaturgen, Regisseuren und Technikern keine Gefahr gescheut und bedenkenlos ihr Leben und ihre Schönheit in die Waagschale geworfen auf der Suche nach Ideen, Entwürfen, Visionen.
Wie soll man vor der Probe ohne den nötigen blauen Dunst einen klaren Gedanken fassen? Wie eine Hauptprobe ohne Zigarette überstehen? Wie die vielen Stunden nervenraubenden Herumsitzens bis zum nächsten Auftritt überdauern? Und wie glaubt der Gesetzgeber eigentlich, dass künstlerische Konzepte entstehen? Bei Mineralwasser? Im Spaßbad?? Unter Joggern???
An die Theatergeschichte darf man gar nicht denken. Was wäre aus Bert Brecht ohne Zigarre geworden? Aus Fritz Kortner? Oder Heiner Müller? Und wer will sich Regisseure wie Dimiter Gotscheff, begnadete Schauspielerinnen wie Bibiana Beglau oder Sophie Rois ohne Zigarette vorstellen?
Das neue Jahr, so viel Kulturpessimismus muss leider sein, beginnt nicht schön. Das deutsche Theater wird ärmer werden.
FW