2005 reiste der Dramatiker Claudius Lünstedt aus Neugier in den Iran. Er verliebte sich dort nicht nur, sondern recherchierte zwei Jahre später auch für einen Theatertext, der sich heute wie eine Vorahnung der Proteste im Juni liest: «Teheran 1386», der vollständige Stückabdruck liegt diesem Heft bei
TH Claudius Lünstedt, wie kommt man als deutscher
Theaterautor nach Teheran? CLAUDIUS LÜNSTEDT Meine erste Reise dorthin
habe ich 2005, vor ziemlich genau vier Jahren,
aus reiner Neugier unternommen. Mich hat interessiert,
ob das einseitige und schreckliche Bild,
das die meisten Medien vom Iran zeichneten, der
Realität entsprach. Ich hatte damals gerade im
Rahmen eines kleinen Jobs bei einem Münchener ... mehr
Das Stück (Teil 2)
Wir bleiben wach - Brief aus Teheran
VON ZOHA AGHAMEHDI
och nicht geboren, neu geboren oder ganz
klein waren wir, als unsere Eltern die Teheraner
Straßen eroberten und Hand in
Hand schrieen: Unabhängigkeit, Freiheit, Islamische
Republik – die haben sie bekommen.
Acht Jahre heiliger Krieg mit Irak ist eng an
unsere Kindheit geknüpft: Mama, was ist Krieg?
– Es gibt Feinde, die uns unser Land nehmenwollen.
Wir müssen aufpassen. Die Väter gehen in
denKrieg, dieMamas helfen denVätern.Wirmüssen
im Krieg stark miteinander sein. Wir müssen
kämpfen, um unser Land zu retten.
Leben in der Doppelmoral
Der Krieg war zu Ende, sein Schatten immer
noch da: In unseren Schulen, in unseren Familien,
in unseren Kinderspielen. Bewusst oder unbewusst
... mehr
Das Stück (Teil 3)
Der Schnappschuss als Waffe
Cameron Abadi, in den USA aufgewachsener Exiliraner und heute Journalist in Berlin, hat den Wahlmonat Juni in Teheran verbracht. Ein persönlicher Rückblick auf diese Erfahrung
Vier Männer stehen dicht beieinander auf
einem Bürgersteig in Teheran und reden
über die bevorstehende Wahl. Einer der
Männer beugt sich vor, unterstreicht mit heftiger
Geste seine Worte. Seine Gesprächspartner blicken
skeptisch, auf dem Sprung, ihm zu widersprechen.
Zwei Tage nach der Präsidentschaftswahl
rollt ein Laster über einen belebten Platz im Norden
Teherans. Bewaffnete Polizisten sitzen auf
der Ladefläche. Sie sehen aus wie eine Armee-Einheit,
die in den Krieg zieht.
Das sind nur zwei der Fotos, die ich in den
Wochen vor und nach der Wahl im Iran ... mehr