40. Mülheimer Dramatikerpreis: Die Jurydebatte

Als Ewald Palmetshofer am Ende der gut anderthalbstündigen Diskussion dann plötzlich drei der fünf Juryvoten erhielt und somit die Mehrheit auf seiner Seite hatte, musste der Autor erst einmal aus einer Mülheimer Pizzeria geholt werden. Direkt vor der Jurydebatte hatten noch das Gastspiel und das Publikumsgespräch zu seinem Stück «die unverheiratete» stattgefunden – danach war Palmetshofer in der Stadt verschwunden. Wer liefert sich schon gern diesem Tribunal der fünf Juroren aus? Augenblicke später wurde er dann aber schon von Journalisten und knipsenden Handys in der Stadthalle empfangen – in Mülheim geht niemand verloren. Weiterlesen

40. Mülheimer Dramatikerpreis an Ewald Palmetshofer, Publikumspreis an Yael Ronen

Ewald-Palmetshofer_c_Alexander-ViktorinDrei Stimmen für Ewald Palmetshofer, eine Stimme für Yael Ronen & Ensemble, eine für Wolfram Lotz – nach gut anderthalbstündiger, am Schluss eher chaotischer Diskussion stand fest: Der 40. Mülheimer Dramatikerpreis geht an Palmetshofer und sein Stück «die unverheiratete», das direkt zuvor in der Wiener Uraufführung zu sehen war. Der Publikumspreis geht an Yael Ronen & Ensemble für «Common Ground». Herzlichen Glückwunsch! Eine ausführliche Besprechung der Diskussion folgt.

Die Jurydebatte im Live-Stream

Stuecke40JahreAb ca. 21.30 Uhr diskutiert die Preisjury (Michael Börgerding, Karin Fischer, Robert Koall, Bettina Stucky, Dagmar Walser) heute öffentlich darüber, wer den 40. Mülheimer Dramatikerpreis erhält. Nominiert sind: Elfriede Jelinek, Rebekka Kricheldorf, Dirk Laucke, Wolfram Lotz, Ewald Palmetshofer, Yael Ronen & Ensemble und Felicia Zeller. Zum Live-Stream der Debatte geht es hier. Eine Zusammenfassung lesen Sie morgen früh auf diesem Blog.

Die Juroren Karin Fischer und Michael Börgerding im Gespräch

Finale in Mülheim: Morgen Abend entscheidet die fünfköpfige Preisjury in öffentlicher Diskussion über den  Gewinner der 40. Mülheimer Theatertage. Und da die Kriterien, was ein «gutes Stück» sei, bei jedem Juror und jeder Jurorin differieren, habe ich schon mal bei zweien nachgefragt: bei Karin Fischer, Redakionsleiterin von «Kultur heute» beim Deutschlandfunk, und bei Michael Börgerding, Generalintendant des Theater Bremen. Weiterlesen

Ewald Palmetshofer über «die unverheiratete»

Ewald Palmetshofers Stück «die unverheiratete» liegt ein authentischer Fall zugrunde: Eine Frau hatte in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs einen desertierenden Soldaten bei den Nazis gemeldet – der junge Mann wurde erschossen, die Frau ein Jahr später zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Morgen ist «die unver-heiratete» in der Wiener Uraufführung als letzter Wettbewerbsbeitrag in Mülheim zu sehen. Zuvor spricht der Autor im Interview unter anderem über die Frage, wie relativierbar Wahrheit sein kann.  Weiterlesen

Dirk Laucke: «Wir gehen ins Theater, um Buße zu tun»

Dirk Laucke hat mehr als ein Dutzend Stücke geschrieben und ist mit «Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute» zum dritten Mal nach Mülheim eingeladen. Eigentlich würde er lieber schon am nächsten Stück oder Hörspiel arbeiten, statt kreuz und quer durch Deutschland zu fahren, um Interviews zu geben und sein Werk zu (re)präsentieren. Uns stand er zum Glück in Mülheim noch für ein Interview bereit, bevor es wieder an den Schreibtisch bzw. an die nächste Recherche geht.

Dirk Lauckes «Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute»

Dirk Laucke ist einer der wenigen Aufklärer unter den Gegenwartsdramatikern. Er interessiert sich nicht für Kunstwelten, sondern für die Realität. Seine Geschichten beruhen auf Vor-Ort-Recherchen, Zeitungs- und Augenzeugenberichten – für sein Stück «Ultras» recherchierte er in der Hooligan-Szene des Halleschen FC, in Stücken wie «alter ford escord dunkelblau» und «Wir sind immer oben» versuchen die Menschen, ihrer ganz realen sozialen Misere zu entkommen. Weiterlesen

Dirk Laucke über «Pegida»

Dirk Laucke ist ein Autor, der sich direkt und klar zu Zuständen in der Gesellschaft äußert, die ihm «auf den Keks gehen», wie er im Interview sagt. Das Phänomen «Pegida» zum Beispiel. Für die spanische Theaterzeitung «Primer Acto» hat der gebürtige Sachse im Frühjahr über die «Patriotischen Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes» einen Artikel geschrieben, den wir hier nun veröffentlichen dürfen. Weiterlesen

Dirk Laucke über «Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute»

Dirk Laucke Foto: Karoline Bofinger Laut Tobias Becker, dem Sprecher des Auswahlgremiums, wäre es in diesem Jahr ein Leichtes gewesen, das Festival allein mit Stücken zum NSU zu füllen. Dirk Lauckes «Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute» beschäftigt sich mit dem alltäglichen Rechtsextremismus in Deutschland – und gerade nicht speziell mit dem NSU. Warum er darauf verzichtet hat, für wie gefährlich er Pegida hält und wie es ihm damit geht, im Theater «gern für die sozial-engagierte Sparte abonniert zu werden», erzählt er im Interview. Heute und morgen Abend ist sein Stück in der Stuttgarter Uraufführung im Ringlokschuppen zu sehen. Weiterlesen